11.04.2008: Lange Aviation und DLR bauen Forschungsflugzeug
Das weltweite Luftverkehrsaufkommen wird zukünftig weiter ansteigen - und damit auch der Treibstoffverbrauch und die damit verbundenen Emissionen. Lösungen zur Verringerung des Schadstoffausstoßes im Flug- und Bodenbetrieb werden daher dringend benötigt. Nach den Vorstellungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie soll der Einsatz von Brennstoffzellen hierbei einen bedeutenden Beitrag leisten. Im Rahmen des Luftfahrtforschungs- programmes (Lufo IV- Projekt ELBASYS) wurde das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit der Durchführung der entsprechenden Arbeiten beauftragt.
In einem ersten Schritt wurde gemeinsam mit der Airbus Deutschland GmbH die Notstrom- versorgung des Versuchsflugzeugs Airbus A320 ATRA des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt über ein Brennstoffzellensystem betrieben. In einem zweiten Schritt wird der dauerhafte Einsatz eines verbesserten Brennstoffzellensystems in Großraum-Verkehrsflugzeugen anvisiert. Primäres Ziel dieser Anstrengungen ist die Erprobung von Brennstoffzellen unter realen Einsatzbedingungen, um sie für die kommerzielle Luftfahrt als zuverlässige Bordstromversorgung zu qualifizieren.
Mit dem Forschungsflugzeug Antares DLR-H2 entsteht ein fliegender Hochtechnologie-Versuchsträger, mit dem die Qualifizierung von Brennstoffzellensystemen für die Luftfahrt weiter vorangetrieben wird. Der Partner Lange Aviation in Zweibrücken entwickelt und baut dieses Forschungsflugzeug, in dem ein vom DLR Institut für technische Thermodynamik in Stuttgart speziell dafür bereitgestelltes Brennstoffzellensystem als primäre Energiequelle für den Antrieb einsetzt wird. Dieses System ist fast identisch mit dem in Großraumflugzeugen verwendeten Brennstoffzellensystem zur Bordenergieversorgung und liefert hier die elektrische Energie für den von Lange Aviation entwickelten Luftfahrt zertifizierten Antriebsstrang, der aus der Leistungselektronik, Motor und Propeller besteht.
Das Forschungsflugzeug und sein Antrieb basieren in wesentlichen Teilen auf dem seit einigen Jahren gebauten Motorsegler Antares 20E. In zwei zusätzlichen Außenlastbehältern werden das Brennstoffzellensystem und die Treibstofftanks unter den speziell verstärkten Flügeln angebracht. In weiteren Schritten könnten die Leistungsdaten des Forschungsflugzeuges mit bis zu vier Außenlastbehältern oder weiterentwickelten Brennstoffzellen noch signifikant gesteigert werden.
Die Zusammenarbeit zwischen DLR und Lange Aviation ist als langfristige gleichberechtigte Partnerschaft angelegt, so dass die Forschungsflugzeuge dem DLR bis zum Jahr 2017 zur Verfügung stehen. Die DLR definiert und wertet die Forschungsaufträge aus und stellt die primären Energiequellen. Die Lange Aviation baut das / die Forschungsflugzeug(e), wobei das Unternehmen auf langjährige Erfahrungen in Entwicklung und Bau von elektrisch angetriebenen Flugzeugen zurück greifen kann, und betreibt die Forschungsflugzeuge im Auftrag des DLR. Weitere Einsatzgebiete könnten sich aus der Kombination des Brennstoffzellensystems mit anderen regenerativen Energiequellen als Antriebsaggregate für HALE-taugliche Fluggeräte (High Altitude Long Endurance) ergeben, die nach aktuellem Kenntnisstand mit elektrischen Antriebssystemen ausgestattet sein werden.



