Sepp Holzapfel Phänomenales Fluggefühl – Weknummer 6

Nach sehr langer Wartezeit habe ich nun seit Ende März 160h in meiner Antares D-KSLH (Q), Werknummer 6, verbracht und dabei 20 längere Streckenflüge bis hin zu meinem ersten 1000er gemacht.

Die Flüge machte ich fast alle in den Alpen, denn für diesen Zweck hab ich das Flugzeug in erster Linie ausgesucht:

  • wendig, um auch am Hang gut zu steigen
  • gute Gleitleistung um bei langen Talquerungen auch bei hoher Geschwindigkeit über dem nächsten Grat anzukommen
  • zuverlässiger und starker Antrieb für den Fall der Fälle

Die Antares unterscheidet sich in der Wendigkeit nicht von einem modernen 18 m-Flieger, und macht am Hang auch in engen Achten viel Spaß! Das Eigensinken ist trotz der 43er Flächenbelastung ziemlich gering, weshalb man mit mehreren Flugzeugen am Hang immer ganz oben mitschwimmt.
Die gerechnete Polare lässt sich eins zu eins in den Rechner übernehmen und stimmt! Allein der Mückenbesatz im laufe des Tages verschlechtert die Gleitleistung spürbar.

Bisher bin ich noch ohne Wasserballast geflogen (mangels Flugerprobung) aber ich denke, dass er damit nur besser (noch schneller) werden kann.

Der Antrieb ist wirklich sehr kräftig und erlaubt für kürzere Zeit auch Steigen mit über 4 m/s. Für den morgendlichen Einflug ins Gebirge steige ich nach dem (momentan am Geratshof noch nötigen) Windenschlepp mit 2,5 m/s und lege dadurch schon mehr Strecke zurück aber reduziere damit andererseits die Gesamtsteighöhe. Man muss halt wie sonst auch beim Segelfliegen mit knappen Ressourcen auskommen und optimieren.

Dazu gehört auch, dass bei einem langen Flugtag die Batteriekapazität durch sonstige Verbraucher und die Batterieheizung abnimmt, sodass ich real nur ca. 2700m statt der maximal 3000m Gesamtsteighöhe zur Verfügung habe. Allerdings glaubt jetzt Lange Flugzeugbau mit einer verbesserten Messelektronik der Batterieelemente mehr Kapazität ausschöpfen zu können.

Was aber das Angenehme an einem zuverlässigen Antrieb ist: Die Nerven bleiben auch weit weg von zu Hause, wenn man mal tief kommt relativ ruhig, weil man sich zur Not immer bis zum nächsten Flugplatz oder Bart retten kann.

Das Stromkabel für die Ladung über Nacht ist immer dabei, wurde aber nur bei einem Wandersegelflug gebraucht. Dass wir damals gleich in einem Rutsch vom Geratshof bis Serres kamen, war zwar nicht eingeplant, aber sehr angenehm. Nur der falsche Steckeradapter für Frankreich hat Schwierigkeiten bereitet, sonst lädt der französische Strom genauso gut wie unser bayerischer.

Weitere nützliche und angenehme Features:

  • Die Füße sind in der Sonne und immer warm (sehr angenehm in Wellen)
  • Sehr leichtgängige Ruder
  • Genug Platz auch für 1,90m mit warmer Bekleidung und Proviant etc.
  • Checkliste und gesprochene Warnhinweise vom Bordcomputer (z.B. für vergessenen Spornkuller oder nicht verriegelte Bremsklappen)
  • Laden und Zustandsabfrage per SMS vom Handy aus, sowie Fernwartung der Software durch Lange möglich

Es gab auch ein paar Kinderkrankheiten:

  • Sprechfunk war anfangs durch eigenen Bordcomputer gestört worden
  • Zweimaliger Ausfall der Batteriezustandsabfrage wegen defektem Optokoppler
  • Zweimaliger Absturz des Bordcomputers im Flug, der sich aber durch einen Systemreset (sprich aus- und einschalten) beheben ließ.
  • Die Bremswirkung der Trommelbremse war sehr bescheiden, das jedoch als Folge eines ungeeigneten Bowdenzuges. Mittlerweile funktioniert sie zufrieden stellend.

Alles in allem hab ich den Kauf des Antares noch nie bereut, die anfänglich kleinen (und von mir auch erwarteten) Widerwärtigkeiten, wurden weit überwogen von einem phänomenalen Fluggefühl und manchmal unglaublichen Gleitleistungen. Dass ich mit diesem Flugzeug so schnell zu 1000km und damit blauen Haaren (wie meinem jüngsten Sohn leichtsinnig bei einer Wette versprochen) kommen könnte, und jetzt auch noch zum Gewinn der DMST in der offenen Klasse, habe ich mir vorher nicht träumen lassen.