Peter Breme Ein Traum wird wahr: Flugbericht Werknummer 7

Am 16. Februar 2005 war es endlich soweit. Meine ANTARES konnte abgeholt werden. Eigentlich sollte ja alles schon viel eher passiert sein, aber welcher Segelflugzeug-Hersteller hat den Serienanlauf schon pünktlich geschafft? Und hier handelt es sich ja zusätzlich um ein sehr komplexes, neues System, welches seines Gleichen sucht.

Etwas aufgeregt, voller Vorfreude stiegen meine liebe Frau Anne und ich ins Auto und brummten los, um nach rund 460 km gegen 11 Uhr in Zweibrücken-Flugplatz anzukommen. Es sollte nun der erste Flug mit der eigenen ANTARES werden, den Probeflug hatte ich bereits 2003 mit der Werksmaschine zu meiner vollsten Zufriedenheit gemacht.

Mein neuer Flieger D-KKPB stand schon fertig aufgerüstet auf dem Hallenvorfeld. Ich konnte es kaum noch erwarten den Übernahme-Flug zu machen. Ola Thorsen von Fa. Lange machte nochmals eine gründliche Einweisung mit mir und los ging es. Die Wolkenuntergrenze betrug zwar nur 500 m, jedoch waren die Sichten gut und so reichte es für einen kurzen Probeflug:

Vor dem Einsteigen das Cockpit „passend“ machen: Die Sitzschale einstellen (höhen- und längsverstellbar), die auch im Fluge mit Hilfe einer Gasdruckfeder einstellbare Rückenlehne in die richtige Position bringen, die Seitenruder auf Länge einstellen. Die Seitenruderpedale schieben sich auseinander, wenn man diese heranzieht. so das kleinwüchsige Piloten mit kürzeren Beinen diese nicht um den Pilz schlingen müssen, einfach alles perfekt. Ich persönlich brauche dieses zwar nicht, es zeugt jedoch unter Anderem von den vielen guten Ideen, die der Konstrukteur hier gehabt hat.

Dann war alles ganz normal, auf dem Taxiway zur Bahn, Freigabe am Rollhalt D und schon rollte ich los. Der kraftvolle Elektro-Motor katapultierte mich bei 10 km/h Gegenwind, welcher direkt auf der Bahn stand, schnell in die Luft. Steigflug mit gut 4 m/sec, in ca. 500 m Höhe den Leistungshebel zurück in die Nullstellung, der Propeller lief automatisch in die senkrechte Position, die Hydraulikpumpe war zu hören und nach 15 sec. war der Motor im Rumpf verschwunden. Der Blick in den Spiegel und das deutliche Schließgeräusch der Motordeckel bestätigte das korrekte Einfahren. Das Fahrwerk hatte ich bereits in 100 m Höhe mittels des kleinen Mini-Schalthebels ebenfalls elektro-hydraulisch eingefahren. Zusätzlich wird alles auf einem übersichtlichen Display angezeigt bzw. von einer freundlichen Ansage auf wichtige Dinge hingewiesen.

Jetzt war es ganz anders als in den bisherigen 2600 Segelflugstunden: Ich schob die Wölbklappen aus der Startstellung in die minus 1 Position und der Fahrtmesser wanderte gleichmässig auf 140 hm/h, ohne das eine Bewegung um die Querachse erkennbar war bzw. das Horizontbild sich änderte. Der Flieger schoss einfach geräuschlos davon ohne dabei merklich an Höhe zu verlieren. Alle Ruder waren extrem leichtgängig, alles ging mit zwei Fingern. Die Wendigkeit des Flugzeuges überzeugte sofort, es ist ein richtiges Rennpferd. Ich brauchte nur ein paar Minuten um mich richtig wohl zu fühlen, die Ruderabstimmung passte erstklassig, die Sicht hevorragend, die Sitzposition optimal wegen der auf jede Pilotengrösse einstellbaren Sitzverstellung. Schnell war klar, die ANTARES ist mir wie auf den Leib geschnitten!

Ein Blick auf den Höhenmesser erinnerte mich an die Landeeinteilung, die Platzrunde in Zweibrücken sollte exakt eingehalten werden. Nach Gegen- und Queranflug der Endteil. Keineswegs aufregend, die doppelstöckigen Bremsklappen und Wölbklappenstellung +2 lassen den Flieger bei 115 km/h mit bis zu 8 m/sec sinken! Somit ist ein genau kalkulierbarer Sinkflug möglich, weich abfangen mit max. 2/3 ausgefahrenen Bremsklappen und schon sitzt der Flieger exakt auf der Bahn. Selbst das Abrollen über D klappte mit dem letzten Schwung perfekt, den Motorleistungshebel in die erste Position, der Motor fährt schnell aus, den Hebel weiter innerhalb der guten Kulissenführung nach vorn geführt, der Motor läuft sanft an, lässt sich gefühlvoll regulieren und somit ist die Rollgeschwindigkeit genau zu kontrollieren.

Zurück auf dem Hallenvorfeld war ich wohl der glücklichste Mensch auf der Welt. Ich konnte meine Freudentränen über meine ANTARES nur schwer verbergen.

Ein Schneeschauer drohte und wir rüsteten schnell ab und steckten den Flieger in den COBRA-Anhänger. Hier half Ola nochmals, erklärte mir in der Praxis die geniale Einmann-Auf+Abrüsthilfe, welche zum Standard-Zubehör gehört. Meine Ehefrau Anne war enttäuscht, braucht sie doch nun nur noch zum Sichern der Tragflächen bei starkem Wind Hand anzulegen. Dabei hat sie immer so gern mit mir meine vorherigen Flugzeuge aufgerüstet! Doch das etwas höhere Tragflächengewicht, bedingt durch die Akkus, erfordert die über eine Gasdruckfeder höhenverstellbare Auftrüsthilfe.

Fünf lange Schlechtwetter-Wochen vergingen, bevor ich nun meine ANTARES endlich zu Hause in Aue-Hattorf fliegen konnte. Inzwischen habe ich über 85 Std. geflogen, mehrere grössere Streckenflüge in den österreichischen Alpen damit geschafft und bin mehr als zufrieden. Die extreme Wendigkeit in der Thermik und das sehr gute Gleiten bei hohen Geschwindigkeiten sind eine optimale Kombination. Ich denke, dass die Gleitzahl 56 bei 117 km/h lt. Herstellerangabe zutrifft. Einige lange Endanflüge aus bis zu 96 km Entfernung haben dieses bestätigt.

„Das Flugzeug ist so wendig wie meine LS-4“, sagte Michael Royer nach seinem ersten 6,5-stündigen ANTARES-Flug mit über 600 km zu mir. Auch er war mehr als begeistert und schwärmte noch heute von seinem Flug.

Das gesamte System ist einfach genial einfach zu bedienen. Der Elektroantrieb sehr zuverlässig, leise und sauber. Nachts wird der Flieger entweder im Anhänger oder auch aufgerüstet über einen SMS-Befehl meines Handys geladen. Die Antwort kommt innerhalb 30 Sekunden mit einer SMS-Rückmeldung, dass der Ladevorgang gestartet ist.

Die Kapazität der Akkus ist mit über 3000 Höhenmetern auch in den Alpen voll ausreichend. Ich habe bisher beim Start auf 1000 m Höhe in den Alpen nie mehr als 30% meiner Akkukapazität verbraucht. Somit verbleibt immer eine ausreichende Restkapazität mit noch gut 2000 Steigmetern zur Verfügung, um damit entweder wieder Anschluss an die Thermik zu bekommen oder eine sichere Landung auf einem fremden Flugplatz durchzuführen. Ein kurzes Adapter-Kabel ist immer an Bord um eine Verbindung zu einer 220 V-Steckdose herzustellen und die Akkus über Nacht aufzuladen (Ladezeit max. 8 Stunden).

Fazit: Die lange Wartezeit auf die ANTARES war zwar schwer zu Ertragen, doch bin ich nach z.Zt. 85 Flugstunden absolut zufrieden mit dem Flugzeug und der Motorisierung. Der Elektroantrieb ist mit Sicherheit zuverlässiger als jeder Verbrennungsmotor welcher als Klapptriebwerk läuft. Dem Konstrukteur Axel Lange und seinen Mitarbeitern gebührt Dank und Hochachtung, dieses Projekt allen Problemen zum Trotz zur Serienreife gebracht zu haben.